Bjoerns Blog

Verkehr

Zum Thema Verkehr :

Ein Thema, das mich nicht loslasst. Andere reden viel und gerne über den GV, ich lasse das G lieber weg. Jedenfalls gibt es hier wirklich keine Verkehrsdisziplin, jeder macht das, was er will. Radwege sind hier generell Parkstreifen oder Überholmöglichkeiten, je nach Betrachter. Vor unserem Apartment gibt es eine Ampel, mit extra eingezeichnetem Weg für Fahrradfahren. Nur mochte ich keinem Radfahrer raten, den Weg tatsächlich zu benutzen. Täglich kann man hier die volle Rücksichtslosigkeit beobachten. Gestern fährt eine Mutti bei grün, richtige Fahrtrichtung (selten!) über diesen Überweg. von Hinten kommt ein Auto angerast, schafft es gerade noch bei Gelb auf die Kreuzung und ist offensichtlich nicht gewillt, nur wegen eines Radfahrers sein Tempo zu verringern. Also drauf auf die Hupe und durch. Gelernte Japaner wissen, was das Hupsignal für Radfahrer bedeutet : Abspringen, in Deckung und Hände über 'n Kopf.. Vor kurzem hatte ich auch eine lustige Kollision mit einem Auto – auch typisch hier. Ich fahre ausnahmsweise auf dem Rad- und Fußweg, was ich eigentlich nicht mache, weil mir das zu gefährlich ist aber an dem Tag war ich mit dem Mamachari unterwegs und selbst ich erreiche mit diesem Klapper-Damenrad nicht Schnellstraßengeschwindigkeit, weswegen ich an der Schnellstraße 16 den Radweg benutzte. Wie ich da so gemütlich dahin radle, sehe ich einen Van aus einer Seitenstraße kommen. Natürlich hält er nicht am Stop-Schild, sondern erst auf dem Radweg. Naja, macht ja nichts, ist ja noch weit weg (ca 100 m), werde ich mich schon dran vorbei quetschen. Nun, ich erreiche das Auto, muss langsamer werden, weil der Depp na klar ¾ des ohnehin Schmalen Weges verdeckt. Als ich zu ¾ an dem Auto vorne vorbei bin, fährt der Typ plötzlich los und mir genau hinten geben mein Mamachari und versetzt mich 1m auf die Schnellstraße. Gut, dass gerade da auf der linken Spur kein Auto kam. Nun könnte man ja meinen, dass der Typ mal fragt, ob noch alles dran ist an mir, oder sich wenigstens entschuldigt... Nö – das wäre hier ja auch klar meine Sache – was bin ich auch gerade da, wo er fahren will. Also haut er in bester Kurzpimmel-Manier ab. Wenigstens habe ich die Sache unbeschadet überstanden und auch Rosas geliebtem Mamachari ist nur das hintere Katzenauge zermatscht worden. Hier lebt man als Radfahrer WIKLICH gefährlich.

Überhaupt, das friedliche „aneinander vorbei“ ist nicht des Japaners Sache. Dieses Volk hat wirklich einen Hang zur Kollision – jedenfalls was den Straßenverkehr angeht. Beispiel : Gestern fahre ich wieder mit dem Mamachari einkaufen. Es gibt ausnahmsweise einen breiten Radweg entlang der Route 16. Von weitem sehe ich mir einen anderen Radfahrer entgegenkommen, er fährt in seiner Fahrtrichtung links, und ich in meiner – also kein Problem sollte man meinen. Natürlich hat er J-Speed drauf, das entspricht so ca 10 km/h. Wie ich ihn gerade erreiche, zieht er mir voll in den Weg – gut, dass Rosas Mamachari (noch) gute Bremsen hat, sonst hätt 's den Typen wohl zum Mond katapultiert, ich fahre nämlich nicht mit J-Speed durch die Gegend, ich will ja auch irgendwann mal an meinem Ziel ankommen.

Stichwort ankommen. Das es hier in Bezug auf schnelleres Vorankommen keinen Zweck hat ein Auto zu benutzen war mir durchaus schon bekannt. Anlässlich eines Umzugs hatte ich nun aber einmal das besondere Vergnügen hier Auto zu fahren. Obwohl Start und Ziel an großen Schnellstraßen lagen und wir nicht zur Rushhour gefahren waren, waren 2 Personen, trotz angeschlagener Gehfähigkeit gleichzeitig am Ziel, wie ich mit dem Auto. Autofahren ist hier auch noch aus einem weiterem Grund kein Vergnügen – die anderen Autofahrer. Man sollte sich hier nicht der Illusion hingeben, dass grün an einer Ampel bedeutet, man könnte nun gefahrlos fahren. Ich erwähnte ja schon, dass hier nach Hierarchie gefahren wird, also Groß vor Klein – ich hatte einen Micro-Van, (so was wie Suzuki Wagon R+ oder Opel Agila), dementsprechend viel Spaß hatte ich auch. Eine Gemeinsamkeit zwischen Deutschland und Japan : auch hier die Devise, erst voll bremsen, dann Abbiegen, dann Blinken – das hält den Herzmuskel der anderen Verkehrsteilnehmer in Schwung.

Ganz schlecht wird mir auch immer, wenn ich LKW-Fahrer hier beim rangieren zusehe. Bei uns kennt man das ja, die Jungs können das im Allgemeinen ganz gut. Hier irgendwie nicht. Beim Rückwärtsfahren wird nur durch das Fahrerfenster nach hinten geblickt – dementsprechend sehen sie auch nicht, was oder wen sie alles auf der rechten Seite (meistens also Gehwegseite) platt walzen. Und das ist hier die Regel – weiß nicht, ob man hier das nicht vermittelt bekommt, das nach Spiegeln rückwärts fahren, das erklärt wohl auch, warum es überall LKW-Einwinker gibt, so richtig mit Fahne und Trillerpfeife.

Und noch eine Sache – angeschnallt wird sich hier, wenn überhaupt nur auf den vorderen Sitzen. Noch so eine Regel an die sich niemand hält, wie im übrigen Geschwindigkeitsbegrenzungen, Stop-Schilder, Einbahnstraßen, Ampeln, Fußgängerzonen oder sonstige unsinnige Autofahrer Schikanen. Ich möchte am liebsten hier nicht mehr in Autos mitfahren. Ich will mich ja anschnallen, aber meistens sind die jeweiligen Autobesitzer zu bequem beim umklappen der Sitze darauf zu achten, dass die Gurte auch richtig verlegt sind. Nicht nur aus Angst, bei deren Kamikaze-Fahrstil hier verletzt zu werden würde ich mich lieber anschnallen, sondern auch aus Angst, bei „normalem“ Fahrbetrieb aus dem Wagen geschleudert zu werden. Es gibt echt nur 100% in Japan. 100% Beschleunigung, 100% Verzögerung, 100% Lenkeinschlag. Manchmal erinnert mich das an den Film Blues-Brothers – immerhin erklärt es, warum es hier so gut wie keine Cabrios gibt – ohne Dach ist der Beifahrer sofort futsch ...

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